„Trauer hat viele Gesichter, und jedes verdient es, gesehen, 
gehalten und liebevoll begleitet zu werden!"

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Genogrammarbeit & generationsübergreifende Spuren

Im Rahmen meiner Ausbildung zur zertifizierten Trauerbegleiterin habe ich mich unter anderem intensiv mit Genogrammarbeit beschäftigt. Diese Methode – eine Art familiärer Stammbaum, der weit über bloße Namen und Daten hinausgeht – hat mich tief berührt. Denn sie öffnet nicht nur Fenster in die Vergangenheit, sondern auch Türen zum Verstehen: unserer eigenen Muster, unserer familiären Prägungen – und unserer Trauer.

 

Während meiner Genogrammarbeit stieß ich auf meine Urgroßmutter Rosa – die Mutter meines Großvaters mütterlicherseits. Lange war sie für mich nur ein Name – verzeichnet in alten Unterlagen. Doch plötzlich wurde aus dem Schatten der Vergangenheit ein Bild. Eine Frau. Eine Geschichte.

 

Rosa wurde zur Hoferbin, weil ihr Bruder 1917 im Krieg fiel. In einer Zeit, in der es keineswegs selbstverständlich war, dass Frauen einen Hof übernahmen, blieb der Familie keine andere Wahl: Neben Rosa gab es nur noch zwei Schwestern – und sie war diejenige, die den Hof weiterführen musste.

 

Ihr Vater, der bis dahin den Hof bewirtschaftete, verstarb bereits mit 54 Jahren – nur zwei Monate vor Rosas Hochzeit. Die Hochzeit war wohl längst geplant, doch der plötzliche Tod des Vaters veränderte alles. Rosa war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal verheiratet – und plötzlich nicht nur Ehefrau in spe, sondern auch alleinige Verantwortliche für den Hof.

 

In dieser kurzen Zeit konnte sie kaum mehr als das Nötigste von ihrem Vater lernen. Was blieb, war die Verantwortung – und die Notwendigkeit, sich durchzubeißen.

Sie übernahm einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 18,5 Hektar Land und Wald, betrieb ein Mahlwerk mit Wasserradantrieb zur Getreideverarbeitung – und stellte sich dieser Herausforderung mit einer Kraft, die mich heute tief beeindruckt. Rosa bekam vier Kinder, zog sie groß – und hielt den Hof am Laufen.

 

Mit nur 58 Jahren verstarb sie – viel zu früh – an einem “Gewächs im Bauch”, wie es in alten Dokumenten heißt. Wahrscheinlich Krebs.

 

Rosa ist für mich ein stilles Vorbild geworden. Eine Frau, die Verantwortung übernahm, als andere gingen. Die sich aufrichtete, wo sie hätte zusammenbrechen können. Und deren Spuren, ohne dass ich es wusste, vielleicht auch in meinem Weg als selbstständig arbeitende Frau in herausfordernden Zeiten weiterwirken.

 

Was hat Genogrammarbeit mit Trauer zu tun?

Viel. Denn jede Trauer ist auch ein Echo der Geschichten, die vor uns waren.

 

In der Genogrammarbeit geht es nicht nur um familiäre Zusammenhänge. Es geht auch um die Spuren, die frühere Generationen in uns hinterlassen haben – bewusst oder unbewusst. Um Rollen, die weitergegeben wurden. Um unausgesprochene Gefühle. Um Verluste, die nie betrauert wurden – und deren Schmerz vielleicht in uns weiterlebt.

 

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft kann helfen, Trauer neu zu verstehen. Nicht nur als Reaktion auf einen aktuellen Verlust, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Als Bewegung durch Generationen. Als liebevolle Rückverbindung.

 

Ich kann dir gerne eine erfahrene Ansprechpartnerin empfehlen, wenn du dich intensiver mit deinem Genogramm und den Spuren deiner Familiengeschichte beschäftigen möchtest.

 

MitGefühlTrauerN – Stefanie Hafenrichter

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